Politische Moral
2. Juli 2019
Unterwegs im Norden
25. August 2019

Unterwegs in Osteuropa

Fast ein wenig neidisch denken wir an die 40 Grad in Basel, während wir unter zwei Decken und einem Schlafsack liegen und immer noch frieren. Aber eben nur fast. Wir geniessen den kühlen Hochsommer in Norwegen sehr. Wunderschöne Landschaften, praktisch keine Zivilisation und «Jedermanns-Recht», welches uns erlaubt, überall mit unserem Bus zu übernachten.

Die erste Woche verbrachten wir in Südnorwegen bei Lenas Grossmutter, welche in Stavern, einem kleinen Fischerdorf lebt. Es tat gut, wieder ein paar Tage an einem Ort zu verweilen. Schönerweise waren wir pünktlich zur Mittsommerwende in Stavern, wo diese mit grossen Feuern und viel Musik und Tanz gefeiert wird. Die Tage um die Mittsommerwende verbrachten wir mit Freunden aus dem Nachbarsdorf, welche uns vor einem Jahr in Basel besuchten.

Jedoch merkten wir schnell, dass wir uns mittlerweile an das Schlafen im Bus gewöhnt hatten und dies einem richtigen Bett vorziehen. Trotzdem hatten wir eine unglaublich schöne Zeit, in der wir Gelegenheit hatten Dinge zu tun, die sich sonst schwerer Gestalten (Backofengerichte!). Kleider gewaschen, Bus geputzt, nochmals heiss geduscht; so starteten wir Richtung Norden, zur Hardangervidda, der grössten Hochebene Europas.

Die Natur auf dem Hinweg war gewaltig. Fjorde wechseln sich ab mit Bergen, zwischen der sich ein kleines Strässchen hindurchschlängelt. Schlicht gehaltene Naturgewalt. Trotz des täglichen und starken Regens, hatten wir auch viele sonnige Stunden. In denen versuchten wir verzweifelt unsere Sachen zu trocknen, was uns aber kaum gelang. Die Gebirgsebene selber war karg und wunderschön. Ernährt haben wir uns grösstenteils von Pasta, Curry, Käsebroten und Aufkochsuppen.

Von der Hardangervidda weg, fuhren wir in den Westen Norwegens. Um Höhenmeter zu verlieren fuhr man in riesigen Tunnel spiralförmig herunter. Unten erwartete einen ein riesiger blaubeläuchteter Kreisverkehr im Berg selber.

Warm war es nie wirklich und dunkel wurde es sowieso nicht, weder tagsüber noch nachts. So konnten wir unseren eigenen Rhythmus leben. Dazu stellten wir alle Uhren, die wir dabeihatten, aus. Als folgten wir einer vorbestimmten Route, fanden wir völlig willkürlich die schönsten Schlaf-/Stehplätze und Fahrwege. Zwischen Felsen am Meer, an Fjorden, auf Anhöhen, Wasserfällen und Schluchten. 

So übernachteten wir auch an wundersamen Orten, wie einem winzigen Hafen bei dem es eine kleine Tankstelle und einen Einkaufsladen gab. Für die Matrosen, welche mit den Schiffen anlegten, wie eine ältere Dame uns mitteilte. Denn weit und breit gab es keine Häuser. Wir badeten ein paar hundert Meter weiter, während strömendem Regen in eiskaltem Wasser und kamen später, so gut es ging, mit vollaufgedrehter Heizung und den typisch norwegischen Zimtschnecken wieder einigermassen zu Kräften. Das Erleben von vielen solchen Episoden, macht unsere Reise so unfassbar schön.

Irgendwann in dieser Zeit verloren wir Herrn Janowiak, unsere Fliege, welcher uns seit Deutschland begleitete. Wir hoffen, es geht im gut. Wenn auch sehr wortkarg, war er doch ein angenehmer Reisebegleiter.

Vom Westen ging es dann wieder Richtung Süden. Ein paar rauchende Bremsen (Versuch mit fast leerem Tank über den Gaustatoppen  zu kommen fehlgeschlagen) und vier Tage später waren wir wieder in Stavern, dem kleinen, bezaubernden Hafenstädtchen. Von hier aus nahmen wir die Fähre nach Schweden und danach nach ein paar weiteren Reisetagen die Fähre nach Polen.

Wir leben immer noch ohne Uhren und nach unserem eigenen Rhythmus. Wir gehen früher zu Bett und stehen auch früher auf, als wir uns das von zu Hause gewohnt sind. Wenn alle Läden zu haben, wissen wir, dass Sonntag ist. Es ist sehr befreiend und angenehm so leben zu dürfen, da man rein nach seinen Bedürfnissen lebt und sich treiben lassen kann. Wir versuchen, immer in der Gegenwart zu leben und alles zu nehmen, wie es kommt. Es gibt natürlich auch unangenehme Situationen, welche aber auch dazugehören. Wir sind beide ruhiger geworden und mit weniger zufrieden als noch vor eineinhalb Monaten.

Ab jetzt gehen werden wir nur noch in Richtung Osten fahren. Die nächste Etappe wird Osteuropa sein, bevor wir über die asiatischen Grenzen fahren werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.